14.08.2016
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#Meine Erfolgsstory

Kann ich behaupten, dass meine zurückgewonnene Gesundheit eine Erfolgsstory ist?

Auf die Idee gebracht hat mich die liebe Sarah Gordy.

Auf Ihrem Blog www.sarahgordy.de hat sie zu einer Blogparade mit dem Thema #Meine Erfolgsstory aufgerufen. Das klang im ersten Moment ziemlich absurd, aber als ich die ersten Absätze ihres Artikels las, wurde mir klar das ich hier einfach mitmachen muß.

Viel zu häufig wird Erfolg von uns fehlinterpretiert.
Denn es sind die kleinen alltäglichen Dinge, die uns zum Erfolg bringen.

Mein bisher größter Erfolg ist gleichzeitig auch meine größte Niederlage.

Mein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule.
Mit 35 Jahren einen Bandscheibenvorfall?
Viel zu jung sagte mir damals mein Kopf, genau richtig sagt mir heute mein Herz.
Schon mit ende 20 habe ich in regelmäßigen Abständen mal mehr, mal weniger mit meiner „Rücken – Gesundheit“ gespielt. Grenzen getestet.
Doch ich mußte immer häufiger spüren, dass mein Körper nur bedingt belastbar ist.

Hätte ich mir ja auch schon bei meinen ersten Rückenschmerzen denken können.

Nur wenn man (Frau) körperlich hart arbeitet, hat man (Frau) was geleistet.
Doch warum war mir das so unglaublich wichtig?

Ich wollte in der Gesellschaft anerkannt sein.

Als Frau und Single wollte ich zumindest in meinem Job allerbeste Leistung zeigen und ein gutes Gefühl mit nach Hause nehmen.
Ich habe nur versucht, jeden Tag „das Richtige“ zu tun.
Es allen recht zu machen, bloß nicht anecken.

Das hat man mir schließlich schon seit Kindesbeinen beigebracht.

Doch warum sind nicht alle um mich herum glücklich mit den was ich tue?
Warum wird immer mehr von mir gefordert?

Weil ich jeden Tag mit der Angst alles zu verlieren gelebt habe, bin ich bis weit über meine Grenzen hinaus gegangen. Doch das ausweiten meiner körperliche Grenzen hat mir weder Reichtum noch Glück gebracht.

Es hat mich emotional in ein tiefes Loch gerissen und mir gezeigt wie es sich anfühlt gesellschaftlich ausgeschlossen zu sein.

Im September 2012 zog es mich, nach einem Jahr mit vielen tiefen, in die Vereinigten Staaten.
Meine Schwester lebt dort und ich freute mich wie ein kleines Kind darauf, 14 Tage mit ihr zusammen verbringen zu können.
In den frühen Morgenstunden sollte der Abflug sein.
Doch schon als ich am Flughafen eintraf fühlte ich einen enormen Schmerz im unteren Rücken.

Das beunruhigte mich nicht weiter. Schon vor ein paar Jahren hatte ich diese Schmerzen während meines Spanien Urlaubs. Ich war alleine dorthin unterwegs und zu allem übel hatte ich auch noch einen Mietwagen. Die Schmerzen die von meiner linken Pobacke ins Bein schossen fühlten sich wie ein 220 Volt starker Blitz an. Auto fahren und die Küste Spaniens erkunden konnte ich somit vergessen. Doch mit viel schwimmen im Meer und Pool, langen Spaziergängen, guten Büchern und einer entschleunigten Lebensweise fühlte ich mich am Ende meines Urlaubs schon viel besser.

Warum also sollte ich mir dieses Mal sorgen um meinen Rücken machen?

Ab ins Flugzeug und 8 einhalb Stunden sitzend fliegen. Keine allzu gute Idee.
Die Schmerzen wurden während des Fluges immer stärker.
Schweißperlen rannten mir von der Stirn und dem Rücken, ohne das ich mich auch nur einen Millimeter auf meinem Sitzplatz bewegte.
Und dann auch noch einsetzende Übelkeit. Doch es gab kein zurück.
In meiner Handtasche fand ich zumindest noch eine angefangene Packung Ibuprofen, die ich mit der Hoffnung, das der Schmerz geringer wird, einnahm.

Leider tat sich nichts.

Nach der Landung konnte ich mich zumindest etwas bewegen. Jeder Schritt im Flughafengebäude war mit starken Schmerzen und den gleichen Symptomen wie im Flugzeug belastet, doch ich blieb weiterhin optimistisch.
Meine Schwester nahm mich am Flughafen in empfang. Die Freude sie wiederzusehen überdeckte anfangs noch meinen Schmerz. Bereits ein wenige Stunden später war die Lage aussichtslos.
Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft aufzustehen. Die Schweißausbrüche blieben und der Schmerz in meinem Bein fühlte sich wie fließende Lava an.

48 Stunden brauchte es, bis die im Supermarkt erhältlichen Schmerzmittel, überhaupt irgendeine Wirkung zeigten.

Die ersten beiden Tage verbrachte ich liegend. Bewaffnet mit einem Tennisball „Wilson“, der wenn ich ihn auf meinen Ischiasnerv drückte, für einen Moment den Schmerzreiz unterbrach.
Mein zweiter Retter in der Not: der Gymnastikball meiner Schwester. Auf diesen legte ich Tag und Nacht meine Beine um den unteren Rücken zu entlasten, Stufenbettlagerung im Fachjargon. Ich verbrachte Stunden in dieser Position. Atmete flach und fühlte mich durch die Schmerzen und die hochdosierten Schmerzmittel wie im Delirium.
Es fällt mir schwer mich an Einzelheiten zu erinnern.

Nach 3 Tagen entschied ich wieder mobil zu werden. Ich kroch aus meiner Position und nahm ein heißes Bad. Erstes Frühstück im sitzen und der erste Ausflug brachte uns zur Fußpflege.
Ich verbrachte die nächste Stunde auf dem Massagesessel. Das tat mir richtig gut. Wieder zu Hause war ich völlig erschöpft.

Zwei Tage vor meiner Rückreise habe ich es sogar fertig gebracht durch Manhattan zu laufen. Mit einer Rikscha durch den Central Park wäre ich nie ohne diese Symptome gefahren. Dank der Medikamente, die meine Schmerzen in einen einigermaßen erträglichen Bereich brachten, war dieser Tag für mich möglich.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich nur die Vermutung das es ein Bandscheiben Vorfall sein könnte.

Fehlendes Wissen um das amerikanische Gesundheitssystem und die Sorge wer das alles bezahlen sollte, hier im Ausland, hielten mich von einer frühen Diagnose ab.

Vor dem Rückflug graute es mir.

Ich hatte zum ersten mal regelrecht Panik vor einem Flug.
Ein weiteres unbekanntes und unangenehmes Gefühl.
Doch mein Plan stand fest: ein Sitzplatz am Gang und so viel im Flieger rumlaufen wie es mir möglich ist. Bloß nicht dauerhaft sitzen!
Er funktionierte, ich bekam auf anhieb einen Platz am Gang und lief hunderte male im Kreis während des Fluges.

Zurück in Deutschland hoffte ich nun auf schnelle Behandlung.

Ich wollte mein gewohntes Leben zurück. Sofort!
Denkste!
Die Termine für die Untersuchungen lagen ziemlich weit auseinander.

Begonnen hat alles mit einer Untersuchung beim Orthopäden. Doch ohne MRT konnte er keine genaue Aussage treffen was jetzt zu tun ist.

Mit Schmerzmitteln ausgestattet, wartete ich nun auf den Tag im MRT.
Die Bilder bestätigten den Verdacht. Doch was nun tun?
Seit 6 Wochen hatte ich extreme Schmerzen und Taubheit in meinen linken Unterschenkel bis runter in die Zehen.

Das bereitet mir schlaflose Nächte.

Natürlich habe ich mich was die Behandlungen angeht, total auf den Rat der Ärzte verlassen. Sie haben diese Krankheit schließlich studiert und setzen sich täglich mit der Materie auseinander.
Mir wurde zunächst eine PRT-Spritze in dem beschädigten Bereich empfohlen. Durch das gezielt injizierte Kortison sollte das störende Gewebe schneller abgebaut werden und den Nerv entlasten. Schon nach einigen Tagen sollte ich meine Zehen wieder bewegen können. Doch wie die Natur so will, hat das leider bei mir nicht funktioniert. Ich spürte an keinem einzigen darauffolgenden Tag eine Verbesserung.

So kam es zu einem weiteren Gespräch und zu einer weiteren Spritze. Sollte sich nach weiteren 3 Tagen wieder keine Verbesserung einstellen ist es doch besser das Gewebe durch eine Operation zu entfernen. Es tat sich nichts und meine Entscheidung für den Eingriff war getroffen. Denn ich wollte auf gar keinen Fall ein taubes Bein oder einen tauben Fuß. Meine Hoffnung lag in dieser OP,  danach würde sicher alles wie vorher sein.

Schon 3 Tage später kam ich in die Klinik und hatte einen Minimal-invasiven Eingriff. Dabei wurde das ausgetretene Gewebe entfernt und die beschädigte Stelle verödet, so daß hoffentlich nichts von dem Gallertkern nach rutschen kann. Ich war so froh und optimistisch nach der OP.
Aber bereits 4 Tage nach der OP waren die Nervenschmerzen wieder zurück und mein Bein und Fuß immer noch Taub.

Gearbeitet hatte ich schon 6 Wochen nicht mehr.

Somit kamen auch noch Telefonate mit der Krankenkasse hinzu, damit meine finanzielle Situation weiterhin gesichert blieb.

Ich durfte einige Tage nach der Operation schon eine 3 wöchige Anschluss-Reha antreten.

Das stimmte mich erneut optimistisch.
In der Reha durfte ich allerdings kaum etwas mitmachen. Dank meiner winzigen Narbe am Rücken, von nur 2 cm, erlaubte man mir ziemlich schnell wieder zu schwimmen und an der Wassergymnastik teilzunehmen. Doch außer Bewegung, Muskelentspannung und Essen gab es nichts zu tun.

Die nächtlichen Krämpfe in meiner Wade traten in dieser Zeit zum ersten mal auf. Und sie machen einen wirklich mürbe, denn nach einer OP ist man nicht annähernd beweglich und reaktionsfähig. Die Ärzte und Therapeuten haben für dieses Phänomen keine wirkliche Lösung.
Zum Ende der dreiwöchigen Reha konnte ich meine Zehen einigermaßen bewegen und spüren. Ein erster Erfolg, der mich motivierte weiterzumachen.

Ich meldete mich noch in der Reha für das Irena Programm an. Ein Rehabilitationsprogramm das ich nach Beendigung meiner Reha in der Nähe meines Wohnortes antreten konnte damit ich weitere Fortschritte mache.

Mein behandelnder Arzt erlaubte mir weiterhin nicht zu arbeiten.

Erst 3 Monate nach meiner OP sollte ich wieder zurück an meinen Arbeitsplatz.

Ich konnte meine Arbeit mit Stufenweiser Wiedereingliederung beginnen. Auch wenn ich in der ersten Woche nur 2 Stunden am Tag arbeiten sollte war es anstrengend. Etwas das ich vorher immer mit Leichtigkeit gemacht habe, meine Arbeit, fühlte sich nun an wie ein holpriger Weg mit 40%tiger Steigung.

Bereits ein halbes Jahr nach meiner OP traute ich mich eine Flugreise anzutreten. Diesmal allerdings nur ein Kurzflug um langes sitzen zu vermeiden. Damit habe ich meine Angst vor Flügen schnell beseitigt.

Meine Nervenschmerzen in der linken Wade und die schlechte Beweglichkeit meines Fußes begleiteten mich weitere 2 Jahre.

Im Herbst und Winter waren die Schmerzen unerträglich. Ich erkämpfte mir mehrfach weitere Krankengymnastik bei der nur für Entspannung in der Wade gesorgt wurde.

Reha-Sport absolvierte ich mehr als für einen „normalen Bandscheibenvorfall“ angedacht. Zudem machte ich 2 mal die Woche Kräftigungsübungen für den gesamten Körper und ging 3 mal in der Woche schwimmen. Ich war drauf und dran mich mit meiner Situation zu frieden zu geben.

Doch weitere Besuche und Gespräche mit meinem Orthopäden brachten mich dazu eine weitere 3 wöchige Reha anzutreten. Dank meines behandelnden Arztes und der Rentenkasse wurde mir diese ziemlich schnell genehmigt.

Hier traf ich auf Therapeuten die sich meinen speziellen Beschwerden wirklich 3 Wochen lang annahmen.

Aber nicht nur die Behandlungen haben etwas bewirkt. Ich selbst mußte erneut beinahe unerträgliche Schmerzen auf mich nehmen.

Ich mußte ein weiteres mal an meinem Arbeitsplatz fehlen und war von meiner Familie und meinen Freunden getrennt.
Doch am Anfang der 3.ten Woche in der Reha konnte ich nach 3 Jahren endlich mein linkes Bein und den linken Fuß wieder komplett belasten und bewegen. Jeder einzelne Zeh macht genau was mein Gehirn ihm sagt und die Schmerzen in der Wade nur noch halb so intensiv.

Ich bin so voller tiefer Dankbarkeit während ich diese Sätze hier schreibe, das es Menschen in meinem Leben gibt die an meine Gesundheit geglaubt haben. Genau in dem Moment in dem ich gerade aufgeben wollte.

Die Reha ist jetzt ein Jahr her.

In diesem einen Jahr hatte ich nicht einmal Rückenschmerzen, oder eine verkrampfte schmerzende Wade.

In diesem Jahr mache ich mein Sportabzeichen, habe vor 6 Monaten begonnen zu Laufen und schaffe bereits 2 mal in der Woche eine 5 Km Runde. Ich habe ein Longboard zum Geburtstag bekommen, mit dem ich 26 Km bei der Skatenight mitgefahren bin.

All diese Aktivitäten wären noch vor 2 Jahren undenkbar gewesen, hätte ich nicht einen Schritt nach dem anderen gemacht. Hätte ich nicht nach jeder Niederlage einen anderen Weg versucht, wäre heute alles noch so, wie nach meiner Reha 2012.

Wenn ich heute also 3 Tipps, die meinen gesundheitlichen Erfolg ausgemacht haben, weitergeben darf, dann sind es diese:

  1. Gib niemals auf!
    Du kannst wieder gesund und schmerzfrei werden. Glaube an deine Gesundheit und sei bereit mehr als das „Normale“ dafür zu tun.
  2.  Nimm unbedingt die vom Arzt verschriebenen Medikamente gegen den Schmerz!
    Sie helfen dir. Ich selber habe den großen Fehler gemacht sie nicht zu nehmen und bereue ihn bitterlich. Ich dachte wirklich die Einnahme schadet mir. Doch der täglich gefühlte Schmerz hat sich in mein Schmerzgedächtnis festgesetzt, so daß er noch sehr lange spürbar war, obwohl alles körperliche verheilt war. Dieser Zustand ist grausam, dagegen gibt es kaum wirksame Mittel und es ist äußerst langwierig das Schmerzgedächtnis etwas vergessen zu lassen. Spar dir deine wertvolle Zeit.
  3. Hab keine Angst vor Veränderung!
    Nur wenn du dich, deine Lebensweise veränderst wirst du wieder ein gesundes Leben führen. Das kostet dich täglich Überwindung, Schweiß und Geld. Deine alte Lebensweise hat dich schon Gesundheit gekostet. Veränderung wird dich vorwärts bringen und zwar in Richtung Gesundheit, wenn du bereit bist loszulassen. Probiere Methoden aus die kaum einer kennt, denn das was alle machen bringt dich nicht weiter.

Geduld zahlt sich aus!

Diese 4 Worte begleiten mich seit Jahren und sind zu meinem Motto geworden, vielleicht wird es ja auch dein Motto.

An dieser Stelle möchte ich mich bei dir liebe Sarah bedanken. Ohne deinen Anstoß hätte ich diesen sehr persönlichen Artikel nie geschrieben.

Alles Liebe und viel Gesundheit

Michaela


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